Geballte Inkompetenz
Heute geht es um ein leidiges Thema, das mich direkt betrifft - ob ich will oder nicht. Inkompetenz, ein weitläufiger Begriff, dessen wahre Bedeutung man immer erst in dem Moment erfährt, in dem man direkt damit konfrontiert wird. So gibt es zum Beispiel die eigene Inkompetenz: Versuche ich, einen Schrank aufzubauen oder die Bremsklötze meines Autos zu wechseln, endet das bestenfalls mit dem unguten Gefühl, es mit Ach und Krach irgendwie hingebogen zu haben, häufig jedoch auch in der totalen Katastrophe. Verfügt man über die segensreiche Fähigkeit der Selbstreflexion, kann man aus diesen negativen Erfahrungen durchaus positive Schlüsse ziehen: Es ist eben gut, wenn man weiß, was man nicht kann. Wozu gibt es schließlich Fachleute?

Doch leider, leider… ist es nicht so einfach. Beispiele für amoklaufende Inkompetenz gibt es sicherlich aus allen Lebensbereichen, ich will mich hier jedoch mal auf ein Gebiet konzentrieren, das mich täglich selbst betrifft und bei dem ich das Gefühl habe, dass es geradezu perfekte Bedingungen bietet, die eigene Fähigkeiten komplett falsch einzuschätzen. Es geht um: Computer!!
Jeder hat heutzutage einen. Jeder weiß, dass man damit alles machen kann. Also kann jeder damit alles machen. Leider kann auch jeder alles falsch damit machen, und das passiert mittlerweile so oft, dass ich so langsam befürchte, es dauert nicht mehr lange, bis ein Großteil aller PCs unter der Last der Unfähigkeit ihrer Benutzer zusammenbricht und alle wieder auf Schreibmaschinen tippen müssen. Was vielleicht gar nicht so schlecht wäre, denn dann würde mein Leben wieder ruhiger werden.
Warum erwarten die Menschen bloß, dass es einfach wäre, einen Computer zu bedienen oder mal eben so richtig cooles Zeug damit zu produzieren? Ich baue doch auch nicht den Motor meines Autos auseinander und beschwere mich anschließend darüber, dass es so kompliziert ist, ihn wieder zusammenzubauen. Ein Computer ist nun mal ein echt kompliziertes Gerät. Punkt. Klar, die Werbung suggeriert uns: Stecker rein, einschalten, loslegen. Doch welcher Depp glaubt schon der Werbung? Macht doch bei anderen Produkten auch keiner.
Klar wäre es cool, wenn Computer so funktionieren würden wie auf der Enterprise: “Computer, formatiere meine Dissertation auf Din A5 und drucke sie dreimal aus. Ach ja, und mach mir einen Cappucino.” Doch davon sind wir nunmal noch ein Stück weit entfernt. Bis es soweit ist, sollte sich jeder, der sich einen Computer anschafft, damit abfinden, dass er nicht darum herumkommen wird, etwas zu lernen, und zwar nicht zu knapp.
Und falls mal wirklich gar nichts mehr geht und ihr zur Gruppe meiner Verwandten, Freunde, Bandkollegen oder einer Schnittmenge davon gehört, dürft ihr weiterhin gerne anrufen.