Konsumkontroll erfolgserlebnis
Seit vor einem guten Dreivierteljahr das hiesige Café mit der Nummer seine Milchkaffeepreise in einem Übernacht-Coup von EUR 2,50 auf EUR 2,70 erhöht hatte, beschloss ich erstens, fortan diese Lokalität nurmehr ungernst zu betreten.
Zweitens beschloss ich, meinen Euroeinführungsfatalismus (à la *Kannste eh nich‘ mehr ändern.*) in eine gesunde Konsumgrundskepsis zu retransformieren — und künftig doch wieder in Deutsche Hartmark umzurechnen.
Die erkenntnisrelevante Tendenz, die sich danach einstellte, war in den Bereichen der schnöden Marken- und Luxus-Güter sowie in der Gastronomie eindeutig, nämlich eindeutig dem Wucher zugeneigt. Bisher aber eher vernebelt stellte sich für mich die die aktuelle Preis-Lage an den Supermarktkassen dar. Bis heute. Denn als ich heute im zweiten Glied beim Bombast-Markendiscounter stand, tat ich das, was ich schon seit Urzeiten nicht mehr getan hatte: Die Schätzung des Warenwertes meiner Vorderleute. Dieses Spielchen bot sich insofern glänzend an, als dass ich es hier mit einem typischen, wahrscheinlich kinderlosen Paar zu tun hatte, das nicht mehr in den besten Jahren war, aber dennoch gut im Saft stand. Die Auswahl ihrer Waren signalisierte eine leicht notgebremste Konsumlaune, was sich weniger in der Länge des aufgepackten Stranges, sondern vielmehr darin ausdrückte, nur jeweils das Zweitbeste bzw. die einfachere Variante gewählt zu haben. Dennoch fand sich dort ein Sammelsurium, das man durchaus als repräsentativen Warenkorb bezeichnen konnte — der schutzamtmosphärisch verpackte Schinken, zwei Flaschen Weinbrandlikör, mehrere Stücke Kernseife, eine Fernsehzeitung, ein Damen-Schlafanzug von zweifellos niederer Jersey-Qualität, ein wenig Trash-Food für heute Abend vor der Glotze, diverse Nährmittel und dergleichen mehr.
In meinem Kopf jedenfalls wurden die Würfel gerollt: Relativ viel Zeug, sehr wenige Markenartikel, ein paar Posten Nonfood, die den Gesamtpreis empfindlich hochdrücken würden. Fest stand, dass die beiden für ihr gutes Geld einen eher geringen gefühlten Erlebnis- oder Genusswert bekommen würden. Trotzdem musste ich den Discounter-Faktor schmerzmildernd mit einrechnen. So legte ich mich, noch bevor die Kassiererin das erste Teil über den Scanner zog, auf eine Hausnummer zwischen 80 bis 100 Hartmark fest, überflog die Auswahl nochmals kritisch und korrigierte mich haarscharf an die Hunderter-Grenze heran.
Also gut, der Tipp: Am Ende sind’s EUR 47,30!
Meep, meep, meep — mit jedem Preiserfassungsvorgang steigt die Spannung. Als die Kassiererin das letzte Teil in den Händen hält, rücke ich ihr anmaßend nah auf die Pelle, um die Ansage nicht zu verpassen. Ja? Und? Wieviel?
*Siebenundvierzig Dreiundachtzig, bitte!*, tönt es.
Booyah! Damit konnte ich leben! Erstens weil mein Gefühl für geldwerte Leistung zumindest an der Basis der Konsumpyramide noch einigermaßen genordet scheint. Zweitens, weil ich zweifellos demnächst eine private Verbraucherberatungsstelle eröffnen werde — in der ich *Euro-Einkaufscoaching für Privathaushalte* anbieten werde — selbstverständlich zu den im Dienstleistungsbereich üblichen Euro-Mondpreisen!