Tool live in Hamburg
Der 06.06.06 ist ein gar teuflisches Datum und viele Unrockbare glauben ja nach wie vor, dass kreischende Strom-Gitarren des Satans sind; doch je näher mein Bruder und ich dem Ort und der Zeit kommen, um so friedvoller werden die Schwingungen. So zirka drei Stationen vor unserer Haltestelle kristallisiert sich eine ungewohnte Verbundenheit zwischen den Fahrgästen der S-Bahn heraus, dann ab dem Ausstieg sind wir Teil des Fan-Stroms und so mancher hat das Grinsen in der Fresse. Am Ort der Begierde angekommen ist deutlich zu spüren, dass alle dasselbe wollen und lange darauf gewartet haben.
Es läuft in äusserster Entspannung, wir bewegen uns Richtung Halleneingang, zwei Minuten, der Karten-Abreisser wünscht uns viel Spass und wir sind drin. Gemächlich ordnen wir uns mittig ins vordere Viertel des stehenden Publikums und lauschen eine halbe Stunde lang den Songs vom Band.
Dann Dunkelheit und hinter der Lichtwand bewegen sich vier Schatten, einer mit Cowboyhut. Bassist und Gitarren-Spieler schreiten auf die Bühne, der Bass koppelt, die Gitarren-Akkorde zerschneiden die Luft und bringen meine Trommelfelle an ihre Grenzen. Ich drücke meine Finger an die Ohren, mein Hintermann klopft auf meine Schulter und schenkt mir eine Packung Oropax. Ich nutze sie und manchmal nicht, um meine Lieblings-Stücke in maximaler Wucht zu hören. Ich beobachte die Band und wie jeder einzelne auf seine Art und Weise bei sich ist. Ich sehe wie sie kommunizieren. Die Fans gehen ab, hüpfen zu den gewissen Stellen; alle kennen sie. Als ein Stück zu Ende ist, ruf ich meinem Vordermann /gut getanzt/ ins Ohr, er grinst und sagt /tschuldigung, dass ich dir grad auf den Fuss getreten bin/, ich freu mich. Kann die Texte nur bruchstückhaft mitsingen, hab sie nie gelernt, immer nur auf die Musik gehört, Hypnose. Wir wechseln die Perspektive, gehen hinters Mischpult und sehen das Bühnenbild als Ganzes. Das Konzert endet, die Band setzt sich in die Mitte der Bühne und bleibt dort einige Minuten, dann steht der Gitarrist auf und leitet die Zugaben ein, welche einen grandiosen Abschluss bilden. Die Musiker bleiben noch kurz, klatschen und winken, der Schlagzeuger wirft Felle und Sticks ins Publikum – wat geil alle.
Nächstes Mal kann ich die Texte.