Leichtmatrosen
Über mangelnde Motivationslosigkeit konnte ich mich nicht beklagen, denn man hatte uns genötigt, an diesem Segel-Turn zu partizipieren. Schließlich jedoch nahmen wir es wie Männer und trafen uns eines Morgens in der Nähe von Polen, um wenig später mit der zusammengewürfelten gemischtgeschlechtlichen Crew in die Ostsee zu stechen. An Bord existierte lediglich so etwas wie eine Laissez-Faire-Kommando-Struktur, daher klappte das mit dem One-Team-Building dann nicht so recht, nachdem ich die eine Blonde jedoch berechtigterweise /Hornochsin/ genannt hatte, das mit dem Two-Team-Building um so besser. Mein Team bestand /im Kern/ aus Machi, Thomas und mir – das der Sumpfkuh aus ihr, einer Unterstützerin und zwei Frauenverstehern – dazu kamen zwei oder drei Pendler, welche sich irgendwie nicht entscheiden konnten, ob sie nun der Hilflosen helfen oder sich unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung voll und ganz in den Rausch der von Machi /schon im Vorfeld der eigentlichen Handlung/ produzierten Feromone begeben. Was das Navigieren und Kurshalten anbetraf, hatten wir Peter, seines Zeichens Profi-Skipper / Zwei-Hand-Rügen-im-Alleingang-Umsegler angeheuert; so blieb allzeit ausreichend Spielraum für die kleinen Boßheiten, welche die Feindschaft zum Zentrum des gegnerischen Lagers erhalten sollten.
Wie für Matrosen üblich, steuerten wir jeden Abend einen anderen Hafen an. Eines Abends, wir ankerten vor Hiddensee, entschieden die doofen Meedchen (scheiß Demokratie), dass eine Gemeinschaftunternehmung unternommen werden sollte. Von exakt der hielt ich mich fern und schlenderte stattdessen seewölfig über die Insel, bis plötzlich ein Sturm aufkam. Als Naturburschi und eingefleischter Kontinent-Bewohner wollte ich mir dieses Spektakel nicht entgehen lassen und begab mich in Richtung Strand - wen treffe ich dort /zwei spezielle Spezialisten ein Gedanke/? Meinen Kumpel Machi /potenzielles Mitglied der ruhmreichen osmanischen Flotte/ der mir berichtete, welch Debakel das Hey-Lass-Uns-Doch-Mal-Alle-Zusammen-Was-Machen gewesen war. Um dem Tag die entscheidende Wendung zu geben, zogen wir aus, die Frauen der Insel zu erobern.
Die zentrale Insel-Kneipe war flux gefunden – und da saßen sie auch schon, zwei potenzielle Gefährtinnen, welche von einem Konkurenten zugetextet wurden, und darüber sichtlich genervt waren. Die ideale Ausgangssituation, um im richtigen Moment mit Esprit und Geschmeidigkeit eine Rettungsaktion zu starten und die Mädels unwiederbringlich auf unsere Seite zu ziehen. Genau diesen Moment haben wir dann wiederholt verpasst, und das trotz der flehenden Blicke in unsere Richtung. Eine großartige Leistung, bedenkt man, wie scharf wir waren. Rückblickend stelle ich fest, dass nichts eine Männerfreundschaft so sehr festigt, wie solch ein gemeinsamer Misserfolg, wahrscheinlich haben wir das damals einfach gewusst.