Kleinstadt-Idylle

Der intentionslose Streifzug durch die Heimat-Kleinstadt ist immer wieder ein verdammtes Risiko, soviel ist gewiss. Doch wie mir scheint, will diese Gewissheit in Regelmäßigkeit durch Erfahrung in der realen Welt überprüft werden. Meine persönliche Verifikation ereilte mich heute in Form von E., dem demonstrativ aktiven, aber chronisch lockeren Herrenbekleidungsfachmann mit Expansions-Drang. Ich hatte das Unheil – nicht zuletzt aufgrund dessen geschätzten BMI von 51,2 – bereits aus der Ferne erkannt und wollte gerade ein Ausweichmanöver einleiten, als mit voller Wucht mein Name ertönte. DP!!!“ (Ich hatte ihn vor Äonen fahrlässigerweise verraten, was sich jetzt erneut rächen sollte) „Na, machste grad Pause?“ Paralysiert von einem Cocktail aus Eigen-Small-Talk-Indolenz an der Grenze zur Soziopathie und östrogen-übertünchendem Alpha-Männchen-Gehabe seinerseits sowie noch-nicht-ganz-abgelegtem Helferkomplex und Skrupellosigkeits-Skrupel meinerseits antworte ich etwas wie: Ah.., hallo,.. wie geht´s? – um mir auf den zirka 25 Metern gemeinsamer Wegstrecke die komprimierte Business-Man-Erfolsstory anhören zu müssen. Dann hatte ich glücklicherweise mein Bewusstsein zurückerlangt und bin links abgebogen. Kann schon sein, dass E. noch eine Weile weitererzählt hat.

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